Impulsivität und Emotionsregulation bei Binge-Eating-Störung

Eine Studie zum Einfluss der Impulsivität und der Emotionsregulation auf die Verarbeitung von Nahrungsstimuli bei Patientinnen mit Binge-Eating-Störung

Für Binge-Eating-Verhalten finden sich vor allem drei Erklärungsmodelle: das dietary restraint model, das einen Kreislauf von verminderter Nahrungsaufnahme, starkem Verlangen nach Nahrung und Bingeing postuliert; das emotion regulation model, in welchem Binge-Eating-Verhalten als Regulation aversiver Gefühlszustände und zur Spannungsreduktion fungiert; und eine erhöhte Reizreaktivität auf Nahrungsstimuli, die durch beeinträchtigte Impulsregulation oder defizitäre kognitive Kontrolle begründet wird.
Die hier vorliegende Studie bezieht im Besonderen das emotion regulation model und die Annahme einer erhöhten Reizreaktivität ein. Die Verarbeitung von Nahrungsstimuli bei Patientinnen mit Binge-Eating-Störung (BED) soll umfassend untersucht, und Beeinträchtigungen durch erhöhte Impulsivität und Defizite in der Emotionsregulation, die Binge-Eating-Verhalten erklären könnten, identifiziert werden. Hierfür finden das Anti-Sakkaden-Paradigma und das Konkurrenzparadigma, unter Verwendung von typischem Binge-Food als Stimulusmaterial, Anwendung. Durch die Verwendung von Eye-Tracking können Prozesse visueller Aufmerksamkeitslenkung sichtbar und nachvollziehbar gemacht werden. EEG-Daten können Hinweise zur Verarbeitung der Nahrungsreize im Gehirn geben. Anhand von Fragebogendaten kann die Emotionsregulationsfähigkeit überprüft werden. EMG-Daten ermöglichen zudem ein objektives Bild über die Valenz der Nahrungsstimuli für Patienten mit BED. Die Ergebnisse können dazu beitragen die Entstehungs- und Aufrechterhaltungsmechanismen des Binge-Eating-Verhaltens besser zu verstehen und dadurch Hinweise für die Weiterentwicklung von Therapien der BED geben. Zudem stellen die verwendeten Methoden und die Integration von Impulsivität und Emotionsregulation eine Erweiterung in der Erforschung des Binge-Eating-Verhaltens dar.

Projektleitung

Dr. Dipl.-Psych. Katrin Giel

ProjektmitarbeiterInnen

Kooperationen

  • Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie (Dr. Ann-Christine Ehlis, Dr. Thomas Dresler)
  • Universität Tübingen, Psychologisches Institut, Arbeitsbereich Klinische Psychologie und Psychotherapie

Publikationen

  • Leehr, E. J., Krohmer, K., Schag, K., Dresler, T., Zipfel, S. and Giel, K. E. (2015) Emotion regulation model in binge eating disorder and obesity - a systematic review. Neuroscience and Biobehavioral Reviews, 49(0), pp. 125-134.