RESTART

Gut die Hälfte der Patientinnen mit Anorexia nervosa (AN) wird mindestens einmal im Verlauf der Erkrankung stationär behandelt. Viele Patientinnen profitieren von dieser intensiven Therapie, bis zu 50% erleiden aber bereits kurze Zeit nach Entlassung einen Rückfall. Wir haben eine Intervention zur post-stationären Rückfallprophylaxe bei AN entwickelt, die über ein Videokonferenzsystem durchgeführt wurde, um Patientinnen aus einem weiten Einzugsgebiet eine Nachsorge zu ermöglichen. In einer DFG-geförderten Pilotstudie haben wir Bedarf, Machbarkeit, Akzeptanz und Wirksamkeit der Intervention untersucht. Die Rückfallprophylaxe basiert auf dem Behandlungskonzept Maudsley Model of Anorexia Nervosa Treatment in Adults (MANTRA) von Schmidt & Treasure. Im Rahmen der Pilotstudie erhielten 16  erwachsene Patientinnen mit AN nach Entlassung aus der stationären/teilstationären Therapie 10 Sitzungen der Rückfallprophylaxe über 4 Monate. Die erste und letzte Therapiesitzung fand face-to-face statt, die übrigen Sitzungen wurden per Videokonferenz durchgeführt.
Bedarf: 70% der regulär entlassenen Patientinnen entschieden sich für die Teilnahme an der Rückfallprophylaxe. Diese Gruppe schätzte es zu Beginn der Intervention als mäßig bis eher wahrscheinlich ein, einen Rückfall zu erleiden.
Machbarkeit: Nur wenige Patientinnen hatten Erfahrungen mit Videokonferenz-Systemen. Bei Ende der Intervention waren 2/3 der Patientinnen zufrieden mit der Durchführung der Intervention über Videokonferenz. Technische Probleme, vor allem eingeschränkte Ton- und Bildqualität, berichteten 2/3 der Patientinnen.
Akzeptanz: Vier Patientinnen beendeten die Intervention vorzeitig. Alle 12 Patientinnen gaben nach Ende der Intervention an, zufrieden mit der Rückfallprophylaxe zu sein und würden die Intervention weiterempfehlen.
Wirksamkeit: Im Verlauf der Rückfallprophylaxe zeigte sich eine durchschnittlich Gewichtszunahme um einen BMI-Punkt. Nach Beurteilung der Therapeuten erlitten drei Patientinnen einen Rückfall. Die Pilotstudie belegt den hohen Bedarf nach einer Rückfallprophylaxe bei AN Patientinnen, die Machbarkeit und Akzeptanz der Intervention. Die Vermittlung via Videokonferenz stellte teilweise eine Herausforderung dar. Wir konnten außerdem einen Trend hinsichtlich der Wirksamkeit der Intervention feststellen. Diese Ergebnisse werden zur Weiterentwicklung der Intervention und als Grundlage zur Wirksamkeitsprüfung des Therapiekonzeptes genutzt. Wir führen derzeit eine 1-Jahres-Katamnese bei den Patientinnen durch, die an RESTART teilgenommen haben, um mittelfristige Effekte der Intervention zu untersuchen.

Projektleitung

Dr. Dipl.-Psych. Katrin Giel

Projektmitarbeiterinnen

Dipl.-Psych. Elisabeth Leehr

Kooperationen

Prof. Ulrike Schmidt, King's College London

Publikationen

  • Giel KE, Leehr EJ, Becker S, Herzog W, Junne F, Schmidt U, Zipfel S. Relapse prevention via videoconference for anorexia nervosa ─ findings from the RESTART pilot study. Psyochtherapy & Psychosomatics, in press.
  • Giel K, Leehr E, Becker S, Startup H, Zipfel S, Schmidt U. Rückfallprophylaxe bei Anorexia nervosa. Psychotherapie Psychosomatik Medizinische Psychologie, 2013; 63: 290-5.