Essstörungen

Als überregionales Essstörungszentrum haben wir uns zum Ziel gesetzt, neue spezifische Therapieangebote zu entwickeln und umzusetzen, um Patienten mit Essstörungen eine effektive und spezialisierte Behandlung anzubieten. Durch unsere nationalen und internationalen Forschungsprojekte zu Essstörungen profitieren die Patienten bei uns von einer raschen Umsetzung der aktuellsten Forschungsergebnisse in die therapeutische Praxis.
Die Kooperation mit anderen Fachabteilungen innerhalb des Universitätsklinikums erlaubt eine Behandlung aller Schweregrade. So können bei Notwendigkeit extrem untergewichtige Patienten mit lebensbedrohlichen medizinischen Komplikationen zunächst einer internistischen Station zugewiesen werden und wechseln nach einer körperlichen Stabilisierungsphase wieder in unsere psychosomatische Abteilung. Bei stark adipösen Patienten arbeiten wir intensiv mit Fachexperten aus der Endokrinologie, der Sportmedizin und der bariatrischen Chirurgie des Klinikums zusammen, um eine differenzierte und evidenzbasierte Behandlung durchführen zu können. In unserer Therapie orientieren wir uns an den aktuellen Behandlungsleitlinien für Essstörungen und Adipositas, an deren Erstellung unsere Abteilung wesentlich beteiligt war, aber auch an den Wünschen, Bedürfnissen und an der persönlichen Situation jedes einzelnen Patienten. Der Patient steht in Mittelpunkt unserer Arbeit und wird in die therapeutischen Entscheidungen sowie in die Entwicklung eines individuellen Behandlungsplanes miteinbezogen.

  • Anorexia nervosa (Magersucht)

Bei der Magersucht handelt es sich um die Essstörung mit dem schwersten Verlauf. Dabei kommt es zumeist durch eine ausgeprägte Mangel- und Fehlernährung zu einem ausgeprägten Gewichtsverlust. Die Betroffenen – meist junge Frauen - essen nur kleine Mengen Nahrung oder versuchen ganz auf das Essen zu verzichten. Manche nehmen zusätzlich Abführmittel ein, erbrechen oder treiben viel Sport, um abzunehmen. Obwohl sie untergewichtig sind, fühlen sich die Betroffenen zu dick. Häufige körperliche Folgeerscheinungen des Untergewichts sind: Ausbleiben der Monatsblutung bei Frauen, Kreislaufprobleme, Organschädigungen und Verminderung der Knochendichte (Osteoporose). Die Sterblichkeitsrate ist bei dieser Erkrankung aufgrund von körperlichen Komplikationen deutlich erhöht.


  • Bulimia Nervosa (Ess-/Brechsucht)

Bulimiker leiden unter Essattacken, bei denen innerhalb kurzer Zeit große Mengen an Nahrungsmitteln „verschlungen“ werden. Aus krankhafter Angst vor einer Gewichtszunahme wird im Anschluss durch Erbrechen und/oder Einnahme von Abführmitteln und Appetitzüglern sowie durch exzessiven Sport versucht, eine Gewichtszunahme zu verhindern. Wird die Bulimie nicht behandelt, kann unter Umständen zu lebensgefährlichen Herz-Rhythmus-Störungen, auf Dauer zu chronischen Schleimhautentzündungen der Speiseröhre und des Magens und zu Zahnschmelzdefekten führen.


  • Binge-Eating-Störung (Heißhungerattacken)

Die Binge-Eating-Störung ist gekennzeichnet durch wiederholte Heißhungerattacken, bei denen – begleitet von einem Gefühl des Kontrollverlusts – große Mengen von Nahrungsmitteln verschlungen werden. Im Gegensatz zur Bulimie kommt es bei den Betroffenen jedoch nicht zu gegensteuerndem Verhalten wie beispielsweise Erbrechen, Abführmitteleinnahme oder exzessives Bewegungsverhalten. Ein Großteil der Betroffenen leidet dadurch auch an Übergewicht (Adipositas) und körperlichen Folgestörungen.


  • Adipositas (Fettleibigkeit) mit psychischen Begleiterkrankungen

Die Adipositas, das ausgeprägte Übergewicht, kann viele Ursachen haben und ist nicht automatisch bedingt durch eine Essstörung. Das Hunger- und Sättigungsgefühl fehlt häufig, so dass größere Mengen als notwendig gegessen werden. Es handelt sich dabei um eine schwerwiegende Erkrankung, die zu ausgeprägten gesundheitlichen Folgeerkrankungen führt. Häufig ist starkes Übergewicht mit erheblichen Schwierigkeiten in anderen Bereichen und einer insgesamt deutlich eingeschränkten Lebensqualität verbunden. Eine ausgeprägte Adipositas geht häufig einher mit einer begleitenden psychischen Erkrankungen, wie z.B. einer Depression oder einer Angsterkrankung. Eine sehr ausgeprägte Adipositas tritt außerdem häufig gemeinsam mit einer “Binge-Eating-Störung” auf. Eine langfristige Gewichtsreduktion kann nur durch eine alltagsgerechte Lebensstiländerung gelingen.


Somatoforme Störungen

Nicht selten leiden Menschen unter körperlichen Beschwerden, für die in medizinischen Untersuchungen keine ausreichende Erklärung gefunden wird. Solche Beschwerden können lange Zeit bestehen, sehr wechselhaft sein, und die verschiedensten Organsysteme betreffen. Sie können sich als Herz- und Kreislaufbeschwerden, Störungen der Atmung, der Verdauung, Schmerzen und einer Vielzahl weiterer Symptome äußern. Man spricht von „somatoformen“ oder „funktionellen“ Störungen.
Obwohl keine schlüssige körperliche Erklärung für die Beschwerden gefunden wird, besteht dennoch kein Zweifel daran, dass die Symptome echt sind und nicht eingebildet, und dass sie bei den Betroffenen zu erheblichen Einschränkungen und Leiden führen können. Dies untermauern auch aktuelle Befunde aus der Neurowissenschaft. Man weiß inzwischen, dass seelische Vorgänge hierbei eine wichtige Rolle spielen – als Folge der oft jahrelang erlebten Einschränkungen im Alltag, aber gelegentlich auch bei der Entstehung der Symptome, insbesondere im Rahmen von traumatischen Erlebnissen.


Chronische Schmerzstörungen

Chronische Schmerzen sind andauernde oder wiederkehrende Schmerzen, die über die übliche Heilungszeit körperlicher Erkrankungen hinaus bestehen, oder ohne erkennbare körperliche Ursache auftreten. Chronische Schmerzen haben ihre Warn- und Leitfunktion verloren und sich zur eigenständigen Erkrankung entwickelt. Sowohl körperliche, als auch psychische und soziale Faktoren können zur Chronifizierung der Schmerzen beitragen.
In der Behandlung wird eine Balance zwischen Aktivität und Entspannung angestrebt, und eine Verbesserung der meist krankheitsbedingt eingeschränkten sozialen Teilhabe. Behandlungsziel ist die Verbesserung der Lebensqualität.


Depression

Menschen mit Depressionen leiden unter Niedergeschlagenheit, Erschöpfung, Energielosigkeit, Verlust von Freude, manchmal auch einem Gefühl der inneren Leere oder Sinnlosigkeit. Sie machen sich Sorgen um die Zukunft und grübeln viel. Häufig kommen Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust oder Schmerzen hinzu. Manche Patienten erleben sich als besonders reizbar oder aufbrausend. Eine psychosomatische Behandlung kann Sie dabei unterstützen, einen anderen Umgang mit Stress und Belastungen zu erlernen, wieder aktiver zu werden und sich mehr zuzutrauen. Gemeinsam mit Ihnen überlegen wir, ob eine ergänzende medikamentöse Behandlung sinnvoll ist.


Angststörungen

Angststörung (auch Phobische Störung) ist ein Sammelbegriff für psychische Störungen, bei denen entweder unspezifische Angst oder aber konkrete Furcht (Phobie) vor einem Objekt bzw. einer Situation besteht. Auch die Panikstörung, bei der starke, situationsungebundene Ängste auftreten, zählt zu den Angststörungen.
Allen Angststörungen ist gemeinsam, dass die Betroffenen übermäßig starke Ängste haben vor Dingen, vor denen Menschen ohne Angststörung keine oder in weit geringerem Maß Angst oder Furcht empfinden. Oft werden in der Folge angstauslösende Situationen vermieden, was zu erheblichen Einschränkungen im Alltag führen kann.


Burn-out

Der Begriff Burn-out ist unscharf definiert und eigentlich keine Diagnose im medizinischen Sinn. Er bezieht sich häufig auf eine chronische Überforderungssituation, bspw. am Arbeitsplatz, die oft genug auch Auswirkungen im privaten Umfeld nach sich zieht. Burnout kann einen Risikozustand für eine spätere psychische oder körperliche Erkrankung darstellen.
Es zeigen sich beispielsweise emotionale Erschöpfung und verringerte Arbeits- und Leistungsfähigkeit über mehrere Wochen oder Monate. Kurze Erholungsphasen führen nicht mehr zur Rückbildung. Wenn dann noch Interessenverlust, depressive Stimmung, Freudlosigkeit und Antriebsmangel hinzukommen, ist eine Vorstellung bei uns sinnvoll.